Optimus Princeps war der Ehrenname, den Kaiser
Trajan
als einziger Kaiser, der diese Auszeichnung je in Anspruch nehmen durfte. Er
bekam sie im
Jahre 114 vom Senat für seine lobenswerten Leistungen auf allen
Gebieten verliehen bekam. Doch nicht nur dieses Ehrenabzeichen, das seine
Berechtigung durchaus und nicht zu letzt im römischen Volk hatte, spiegelte
die Besonderheit des Prinzeps. Trajan war auch der erste Kaiser, der nicht aus
dem latinischen Stammland Italien stammt, sondern aus der Provinz Baetica
(Spanien), was ein weiterer Grund für seine Beliebtheit in der gesamt
römischen Bevölkerung war. Ein Herrscher aus nicht römischem Urland konnte
sich der Sympathie der provinzial Bevölkerung sicher sein.
Als Trajan, der 18.September 53 zu Italica (Spanien) geboren war, im Jahre 98
den Thron besteigen konnte, brachte
er schon beträchtliche Erfahrung in der Führung eines Staates mit sich, denn er
war im Oktober des Vorjahres von dem damaligen Kaiser Nerva zum
Mitregenten gemacht worden, indem er von Nerva adoptiert wurde und dieser
ihn mit der tribunizischen Gewalt ausstattete.
Trajans Weg war durch die glänzende Karriere seines Vaters (Statthalter von
Syrien) geebnet worden. Durch diesen Umstand kam der
junge Trajan schon früh mit Staatsgeschäften in Kontakt. Trotzdem konnte
man nicht behaupten, dass Trajan eine übliche Beamtenlaufbahn (Konsulat 91) durchmachte. War
er nämlich ein geborener Soldat, der es dem einträglichern und zu gleich angenehmeren Leben im senatorischen Rom vorzog, zusammen mit seinen Soldaten
mehrere Jahre unter den Waffen zu stehen. Eine große Zahl der Soldaten kannte
Trajan persönlich. Dies und seine unbestrittenen feldherrischen Fähigkeiten
ließen ihn bei den Soldaten als Göttlichkeit erscheinen, die die Soldaten
auch so behandelten.
Aus dem Briefwechsel den Trajan mit Plinius dem Jüngeren führte, kann man
ein Bild des Prinzeps aus den schönsten Farben malen. Vorzüge wie Einsicht,
Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, Einschätzungsvermögen und Bescheidenheit
kennzeichnen den Charakter Trajans. Aber auch das rein visuelle
Erscheinungsbild Trajans soll harmonisch und männlich zu gleich gewesen sein.
Noch bevor Trajan im Jahre 98 zum Kaiser proklamiert worden war, hatte er
das Amt des Statthalters von Obergermanien inne, wo er damit beschäftigt war,
den Limes auszubauen und das Straßennetz zu verbessern. Mit der Gründung der
Kolonien Ulipa Traiana (Xanten) und
Ulipa Noviomagnus (Nymwegen)
fördert er den Prozess der Romanisierung im oberen Germanien. Bei seinem Amtsantritt stellte sich die bange Frage, ob der "Soldatenkaiser"
im Einvernehmen des Senates regieren würde oder ob er dem Heer eine allzu
große Kompetenz zuschreiben würde. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch
als grundlos. Zwar ließ Trajan sich vom Senat nicht entscheidend beeinflussen, doch erschien er
regelmäßig in den Senatssitzungen und und behandelte seine Mitglieder mit der
angemessenen Ehre und dem angebrachten Respekt. Innenpolitisch wurden die
Steuern endlich direkt durch den Staat eingetrieben, so dass der Staat
weniger Steuerausfälle zu beklagen hatte. Diese Steuerreform wurde dadurch
möglich gemacht, dass Trajan den Beamtenstaat vor allem durch Ritter ausbauen
ließ und so leistungsfähiger machte. Der Herrscher konnte die
innenpolitische Stimmung auch durch den Verzicht auf die Steuerrückstande
früherer Prinzipate verbessern. Rege Bautätigkeit kam der Hauptstadt (Trajansforum,
Markthallen) wie auch den Provinzialen zugute; die sozialpolitischen Maßnahmen
Nervas (alimenta) und die Binnenkolonisation wurden fortgesetzt.
Nicht minder wichtig waren die außenpolitischen Geschehnisse, die dazu beitrugen, den
inneren Konsens und Frieden zu bewahren. Das entscheidende Ereignis in der
frühen Regierungszeit Trajans war der erste Krieg gegen die Daker. Überlegt und besonnen agierte Trajan in seinem ersten Feldzug gegen den Dakerführer Decebalus. Mit zwölf Legionen rückte der Prinzeps gegen die Donaugrenze
vor und schaffte es schließlich, die Daker unter das Diktat eines Siegfriedens
zu stellen. Decebalus musste harte Bedingungen erfüllen: Zum einen musste er
alle Gebiete, die bis zu diesem Zeitpunkt von den Römern besetzt wurden, an
diese abtreten und zum anderen musste er alle römischen Feldzeichen, die zur Zeit
Domitians an die Daker verloren gingen, wieder zurückgeben. In Jahre 102 zog
der Kaiser mit einem glänzenden Triumph in Rom ein. Was den Römern nicht verborgen blieb, waren die Rüstungsunternehmungen des dakischen Fürsten Decebalus, der offensichtlich eine Entscheidungsschlacht
suchte. 105 startete Trajan einen erneuten Angriff gegen Dakien.
Dieses Mal mit dem Ziel ganz Dakien dem römischen Imperium einzuverleiben.
Rasch standen die Legionen Trajans vor der Hauptstadt und damit Decebalus sie
den Römern nicht abtreten musste, ließ er sie in Flammen aufgehen. Dieses
markante Ereignis zersprengte die dakischen Truppen und war zugleich der
Anfang eines (auch für die Römer) verlustreichen Guerillakrieges. Im
Verlaufe dieser Auseinandersetzung wurde fast die sämtliche dakische
Bevölkerung vertrieben oder getötet. Nach diesem Exodus entschloss sich Trajan,
die Donaugrenze verschärft zu sichern, um gegen die immer häufiger werdenden
Angriffe der Barbaren gewappnet zu sein. Die Provinz
Dacia wurde
konsularisch verwaltet. Menschenleere und Einöde der neuen Provinz sollten
durch umfangreiche Romanisierungsprogramme zum Verschwinden gebracht werden.
Nachdem nun die Nordostgrenze einigermaßen gesichert schien, wandte sich
Trajan dem Orient, genauer gesagt den Parthern, zu. Ob Trajan eine
vollständige Zerstörung des Partherreiches im Auge hatte, oder ob er nur die
Sicherung der Grenzen im Sinn hatte, lässt sich schwer beurteilen. Zum einen
ist da der große Truppenaufwand, den Trajan für den Partherfeldzug betrieb. Er
ließ nicht nur die Oststreitkräfte verstärken, er ließ auch die
Verteidigungskraft im Landesinnern abschwächen.
Zwar wären wohl die römischen Kohorten und Legionen dazu im Stande gewesen, das Partherreich zu zerschlagen, aber damit
wäre die Aufgabe noch nicht gelöst gewesen. Unsicherheit an allen Grenzen wäre
der Fall gewesen, innenpolitische Gegenwehr, eine parthische Bevölkerung, die
sich um keinen Preis von Rom hätte annektieren lassen wollte und nicht zu
letzt neue Feinde für Rom. Am
relevantesten scheint die Vermutung, dass Trajan die Absicht hatte, die
östlichen Grenzen durch Ausdehnung zu sichern. Mit einer relativ hohen Zahl an
Legionären, die er vor allem aus Aeguptus und
Cyrene abgezogen hatte, zog er 113 gegen die Grenze des Orients. Der
Operationsplan des Kaisers ging anfangs voll auf. Er sicherte
die Stellung im Norden, um den Rücken frei zu haben. 115 wurde
Armenien annektiert. Kurz darauf fielen die Städte Seleukeia und Babylon in
römische Hand. 116 waren Armenien, Assyrien und Mesopotamien von den
Römern besetzt und der Partherkönig Chruso I. musste in sein Stammland
flüchten.
Doch zwangen ein großer jüdischer Aufstand (117) zwischen Alexandria und
Cypern sowie die die Erschöpfung der Kräfte zum Abbruch der Offensive und zur
Aufgabe des Großteils der neueroberten Gebiete. Länger schon leidend starb
Trajan am 8.August 117 auf dem Rückweg in Selinus am Schwarzen Meer.
