TIBERIUS:



Tiberius Iulius Caesar Augustus wurde am 16.November 42v.Chr. als gleichnamiger ältester Sohn des Tiberius Claudius Nero und der Livia Drusilla geboren und diente sich nach einer ausgezeichneten Bildung an lateinischen sowie griechischen Kulturgütern als hervorragender Soldat und Verwaltungsfachmann unter seinem Stiefvater Augustus empor: 23v.Chr. Quästor, 16v.Chr. Prätor, 13v.Chr. Konsul. Er eroberte zusammen mit seinem Bruder Drusus 15v.Chr. das Gebiet der Vindeliker und sicherte in Kämpfen gegen die Pannonier und die Dalmater 12-10v.Chr. die Gebiete bis zur mittleren Donau.

Tiberius (42v.Chr.-14n.Chr.)

Nach erfolgreicher Tätigkeit in Germanien  in den Jahren 9-7v.Chr. kam es zu einem vorübergehenden Zerwürfnis zwischen Tiberius und Augustus, der ihn zwang, seine Tochter Iulia zu ehelichen (11v.Chr.) und zugunsten ihrer Söhne aus der Ehe mit Agrippa (C. und L.Caesar) als vorgesehenen Thronerben zurückzutreten. Tiberius ging freiwillig zu "Studienzwecken" auf Rhodos ins Exil (6v.Chr.-2n.Chr.).
Nach dem Tod des Drusus (9v.Chr.) und der beiden Enkel des Augustus (4n.Chr.) wurde Tiberius am 26.Juni von Augustus mit der Auflage adoptiert, seinerseits Germanicus an Sohnesstatt anzunehmen. Er erhielt weiterhin die tribunizische Gewalt für zehn Jahre. Einem Vorstoß zur Elbe (4-5n.Chr.) folgte der Versuch, Morbods Reich in Böhmen und Mähren zu zerschlagen, das aber durch den Ausbruch eines gefährlichen, von Tiberius nur mühsam niedergerungenen Aufstandes der Pannonier und Dalmater (6-9) und die anschließende Katastrophe des Varus im Teutoburger Wald (9) scheiterte. Tiberius sicherte nun die Rheingrenze (10-12) und es war
Tatkraft des Tiberius, das das riesige Reich die Erschütterungen nicht erreichen konnte. In Erwartung von Augustus´ nahem Ende 13 wurde Tiberius die tribunizische Gewalt erneuert sowie ein imperium proconsulare übertragen.

Tiberius (42v.Chr.-14n.Chr.)

Tiberius war in Illyrien als Augustus im August 14 in Nola (Kampanien) erkrankte. Er kehrte zurück und hatte eine lange geheime Unterredung mit seinem Adoptivvater. Wenige Stunden später war Tiberius Kaiser. Der Übergang von Augustus auf Tiberius ging politisch reibungslos vonstatten.
Nach vergeblichen Versuchen, den Senat stärker zur Mitarbeit heranzuziehen, und enttäuscht durch Opposition sowie durch das Doppelspiel des 31 gestürzten Prätorianerpräfekten Seianus, zog sich Tiberius verdüstert nach Capri zurück. Trotzdem behielt er die Reichsregierung in fester Hand.

Mäßigung, Wohlfahrt, Gerechtigkeit, Milde und Sparsamkeit waren die wichtigsten Grundsätze seiner Regierung, die besonders den Provinzialen zugute kam. Mit der Rückberufung seines Neffen und Adoptivsohnes Germanicus (16) wurde die Offensivkriege in Germanien, die das Reich überforderten, eingestellt, im übrigen die Position gegenüber den Pathern behauptet und örtliche Unruhen unterdrückt. Erst die Gegenwart hat den in republikanischen Tradition lebenden, auf Resonanz und Popularität verzichtenden, in harter Lebensschule und Pflichterfüllung freudlos gewordenen, dabei doch ungemein tüchtigen Herrscher gegenüber maßloser Verleumdung in der antike Historiographie (z.B. Tacitus) mehr Gerechtigkeit verschafft.

Tiberius starb am 16.März 37 zu Misenum.