JUSTINIAN:
| Flavius Petrus Sabbatius
Iustinianus, oströmischer Kasier 527-565. Justinian war bäuerlicher Herkunft und
wurde 382 zu Tauresium bei Skopje geboren und schon frühzeitig von seinem Onkel,
dem späteren Kaiser Iustinus I., zu gründlicher Ausbildung nach Konstantinopel
geholt. Er wurde zum Patricius und Befehlshaber der Hoftruppen ernannt und ob
seiner Arbeitskraft und hervorragenden Begabung bald zu Regierungsaufgaben
herangezogen. Am 1. April 527 erhob der todkranke Iustinus Iustinian zum
Augustus. Zusammen mit seiner klugen und tatkräftigen Frau Theodora hat er in
langer Regierung einem ganzen Zeitalter seinen Namen gegeben. Außenpolitisch strebte Justinian neben der Sicherung der Nord- und Ostgrenze die Rückeroberung des Westreiches an, die durch die Einigung mit dem Papst 519 vorbereitet (Verzicht auf das sog. Henotikon von 482 zugunsten der „römische „ Richtung) wurde, jedoch nur zum Teil gelang. In raschem Anlauf eroberte sein Feldherr Belisar 533/534 das innerlich geschwächte Vandalenreich Gelimers und drang im Kampf gegen die Ostgoten 540 über Rom bis Ravenna vor. Doch die Norden überquerten Slawen, Hunnen und Avaren die ungeschützte Donaugrenze und der Neuausbruch des Perserkrieges 540 erzwangen in Italien eine Kampfpause, während das Ostgotenreichen unter dem tatkräftigen Totila wieder erstarkte. Erst Narses konnte durch Siege 552 über Totila bei Tadinae und seinen Nachfolger Teja am Vesuv den geschlossenen Widerstand der Ostgoten brechen, auch Teile Südostspaniens wurden von den Westgoten erobert. Italien und Afrika wurden der byzantinischen Verwaltung unterstellt, doch schon 568 gingen weite Teile Italiens durch den Einfall der Langobarden wieder verloren. Die Donaugrenze blieb durchbrochen und der Perserkrieg endete 562 mit der Behauptung Lazikas am Schwarzen Meer, allerdings unter Erhöhung der Tributzahlungen. |
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Auf dem innerpolitischen und ureigenen Gebiet des Kaisers, der niemals das Weichbild von Konstantinopel verließ, galt sein vorzüglichstes Bemühen der Stärkung seiner Gewalt. Der Ordnung des Rechtswesens diente das mit Hilfe des großen Juristen Tribonian ab 529 publizierte Corpus iuris nebst Kommentar und Einführung. Der Einheit des Rechts sollte die Einheit des Glaubens entsprechen. Persönlich fromm wie seine Gemahlin bemühte sich Justinian durch die Bekämpfung des Arianertums und der heidnischen Reste (Schließung der Akademie in Athen 529), sowie durch Privilegierung der Geistlichen, die orthodoxe Kirche zu fördern. Jedoch zwang er ihr aber zugleich auch seinen Willen auf. Indessen ließen sich nach wie vor die Monophysiten im Südosten des Reiches nicht für das Chalkedonense gewinnen, so dass sich nach dem Scheitern auf dem fünften ökumenischen Konzil in Konstantinopel angestrebten Einigung im byzantinischen Reich zwei häretische Nationalkirchen (in Syrien und Ägypten) bildeten.
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Als gewaltiger Bauherr hat Justinian zahllose Befestigungen, Nutz- und Prunkanlagen, Kirchen ausführen lassen und damit nicht zuletzt der Kunst Auftrieb gegeben. Die Stiftermosaiken der Kirche San Vitale zu Ravenna sind das großartigste Denkmal der Flächenkunst, das wir von antiker Herrscherrepräsentation besitzen, seine Hagia Sophia in Konstantinopel die Krönung das antiken und Vorbild das islamischen Gewölbebaus. Als letzter Kaiser hast Justinian sich planmäßig um die räumliche Wiederherstellung des alten Imperium Romanum bemüht und durch Betonung des Römischen in Glauben, Rechtswesen, Verwaltung und Kunstbeine neue Einheit zu schaffen versucht. Er hat dabei großartige, zum Teil bis in die Gegenwart nachwirkende Leistungen erzielt und sich als hervorragende Herrscherpersönlichkeit erwiesen, zugleich aber auch, wie schon der Geschichtsschreiber Prokop rügt, die Kräfte des Reiches weit überfordert und den unausbleiblichen Zusammenbruch des innerlich veralteten Systems vorbereitet. Mit seinem Tod endet das römische Kaisertum und es beginnt sich unter schweren Erschütterungen der ostwärts orientierte, eigentliche byzantinische Staat zu entwickeln.
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