Claudius:

Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, römischer Kaiser 41-54, wurde am 1.August 10v.Chr. als Sohn des Drusus und der Antonia minor zu Lugdunum geboren. Claudius war lieb und sehr begabt, doch aufgrund seines kränkelnden Wesens blieb er bis 37 (consul suffectus) vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. Bis dahin beschäftigte sich Claudius mit zahlreichen Studien, so z.B. mit der absterbenden Sprache Etruskisch.
nach Caligulas Ermordung wurde Claudius gegen ein hohes Donativ von den Prätorianern auf den Thron erhoben, worauf ihn der Senat, der die Wiederherstellung der Republik gewünscht hatte, zögernd anerkannte. Abhängig von seinen (vier) Ehefrauen (besonders Messalina und Agrippina minor) sowie seinen Freigelassenen, dazu oft haltlos, fahrig und skurril, hat Claudius nach der Katastrophe seines Neffen im ganzen doch eine erfolgreiche Politik des Ausgleichs und sinnvoller Entwicklung getrieben, welche die über ihn überlieferten Schmähungen (Seneca) als boshafte Übertreibungen erscheinen lassen.
Innenpolitisch bedeutsam ist der zentralistische Ausbau der kaiserlichen Verwaltung, wo Freigelassene als fachkundige, einflussreiche Ressortchefs wirken: Narcissus als Kabinettchef (ab epistulis), Pallas als Finanzsekretär (a rationibus), Polybius als Archivsekretär (a studiis), Callistus als Sekretär für Bittgesuche (a libellis) und die kaiserliche Kasse (fiscus) nebst Finanzgerichten. Auch das Straßen- und Postwesen wurden verbessert und neben konservativ-ständischer Kontrolle von Senat und Ritterschaft gingen Bemühungen um Aufnahme gallischer Adliger in den Senat, um fortschrittliche Bürgerrrechtsverleihungen und um Gründung von Kolonien (z.B. Köln) einher. Beweise reger Bautätigkeit sind die Erweiterung des Hafens von Ostia, Aquädukte in Rom, die Tiberregulierung und teilweise Entwässerung des Funicersees, die Anlage von Alpenstraße, so über den Reschenpass zur Donau und über den großen St. Bernhard.
Bemerkenswert erscheint ferner eine starke Aktivität auf religiösem Gebiert: Sie betraf die Erneuerung alter Priesterkollegien und Riten, wiederholtes Einschreiten gegen die Juden in Rom, aber auch Schlichtungsversuche zwischen diesen und den Griechen in Alexandria, Verfolgung der Druiden in Gallien, Verbannung der Astrologen aus Italien.
Die Grenzpolitik des Kaisers strebte nach Abrundung des Reichsgebietes und der verstärkten Sicherung der Randländer. So wurde nach Unterdrückung eines Aufstandes Mauretanien (42) in die Provinzen Mauretania Tingitana und Caesariensis gegliedert; Lykien (43), Judaea (44) und Thrakien (46) wurden in den Provinzialstatus übergeführt, das Friesen- und Chaukenland unter römische Oberhoheit gebracht (47) und mit einer Kastellinie an der oberen Donau begonnen. Unsicher blieb der römische Einfluss auf Armenien, dagegen gelang es, 43 den Südosten Britanniens zu erobern und durch vier Legionen zu sichern.
Die Empörung des Camillus Scribonianus (42) mit dem Ziel, die Republik zu erneuern, wurde mühelos niedergeschlagen, eine zweite, des des Asinius Gallus und Taurus Statilius Corvinus (46), entdeckt. Schwer erschütterte den Thron die Affäre der Messalina mit. C.Silius (48) und schließlich erlag Claudius dem Anschlag seiner vierten Gemahlin Agrippina, die, um ihren leiblichen Sohn Nero gegenüber Claudius´ Sohn aus früherer Ehe, Britannicus, die Nachfolge zusichern, ihren Gatten durch ein Pilzgericht vergiftete (13.Okrober 54).
Von den umfangreichen, meist historischen Schriften des Kaisers - darunter auch eine Selbstbiographie - ist nichts erhalten.